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Blog vom 06.03.2021

 

Wie erhalte ich meine seelische Gesundheit in Zeiten von Corona?

Der richtige Umgang mit dem Coronavirus ist DAS Thema, dass unser aller Gemüter seit über einem Jahr beschäftigt. Die Medien überbieten sich gegenseitig in minutenaktueller Berichterstattung. Private Gespräche münden fast unweigerlich in Diskussionen über die aktuelle 7-Tages-Inzidenz bzw. die Impfstrategie der Bundesregierung. Wir sind seit einem Jahr alle Virologen. Die Pandemie hat uns nicht nur über die biochemischen Übertragungswege, sondern auch über alle Kommunikationskanäle fest im Griff.

Ich sehe mit Sorge, dass die Anzahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland deutlich zugenommen hat. Dies ist sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern der Fall.

 

Was kann jeder einzelne für sich selbst tun, um den Corona-Blues zu vermeiden und sein seelisches Wohlbefinden zu verbessern?

 

  • Es ist sinnvoll, sich über die aktuelle Lage in seriösen Medien zu informieren. Man sollte jedoch nicht von Jens Spahn und Co. den eigenen Alltag bestimmen lassen. Einmal täglich die Berichterstattung zu verfolgen reicht vollkommen aus, um auf dem Laufenden zu bleiben.

 

  • Gerade wenn einem die Belastungen durch Job (Homeoffice) und Familie (Homeschooling) über den Kopf wachsen, ist es hilfreich, sich ganz bewusste Auszeiten, zu denen man sich zurückzieht, zu nehmen. Oft reicht eine halbe Stunde aus, um seine Gedanken zu sortieren und wieder neue Energie zu tanken. Wenn man kleine Kinder hat, kann man sich bei den Auszeiten mit dem Partner abwechseln. Ihre Familie profitiert von ihrer neu gewonnenen Gelassenheit.

 

  • Es ist für die Psyche wichtig, nicht in soziale Isolation zu geraten. Man kann den Spielraum, den die jeweils aktuellen Coronaregeln bieten, nutzen, in dem man sich beispielsweise regelmäßig zu Spaziergängen oder Wanderungen verabredet. Seien Sie durchaus auch offen für kleinere soziale Ereignisse: Manchmal bietet sich die Gelegenheit dazu, ein nettes Gespräch mit den Nachbarn über den Gartenzaun zu führen oder ein Plausch mit einer Bekannten im Lebensmittelladen um die Ecke.

 

  • Man sollte respektieren, wenn sich Freunde oder Bekannte, die möglicherweise zur Risikogruppe gehören, nicht verabreden möchten. Der Griff zum Telefon oder ein virtueller Termin über eine Meetingsoftware kann eine Alternative darstellen.

 

  • Warum machen Sie nicht den ersten Schritt und kontaktieren allein stehende Freunde, Bekannte und Nachbarn? Die meisten Menschen freuen sich, wenn man auf sie zugeht. Oft ergeben sich nette Wiederanknüpfungspunkte.

 

  • Falls Sie nicht erwerbstätig oder in Kurzarbeit sind, ist es hilfreich, jedem Tag eine feste Struktur zu geben und Rituale zu pflegen. Das bedeutet, feste Aufstehzeiten zu planen, sich regelmäßig anzuziehen, zu festen Zeiten eine gesunde Mahlzeit einzunehmen. Seien Sie es sich wert, auch für sich alleine ein schönes Essen zu kochen - vielleicht sogar eine Kerze anzuzünden oder leise Hintergrundmusik einzuschalten. Meinen Sie es gut mit sich selbst! Nehmen Sie sich regelmäßig kleine Projekte vor, die Ihnen Spaß machen, um eine sinnvolle Aufgabe zu haben und gefordert zu werden.

 

  • Regelmäßige Bewegung und Sport fördert das seelische und körperliche Wohlbefinden und regen das Immunsystem an. Regelmäßig an die frische Luft zu gehen, tut gut. Selbst ein Spaziergang bei Regen kann Spaß machen und das innere Gleichgewicht wieder herstellen. Bei dauerhaft schlechtem Wetter gibt es die Möglichkeit zu Online Sportkursen. Manchmal findet sich im Regalen noch eine alte Yoga-DVD. Waren da nicht auch noch Thera-Bänder, ein Pezziball o.ä. im Keller?

 

  • Sehen Sie einen Vorteil in der gegenwärtigen Situation, indem Sie sich eine Liste der Dinge machen, die Sie sich schon länger vorgenommen haben, für die Ihnen bisher aber immer die Zeit fehlte - z.B. alle Bände von Harry Potter oder Outlander lesen, das mittlerweile leicht angestaubte Sachbuch im Regel, dass Sie sich noch vor Corona gekauft haben....Hörbücher...den Keller ausmisten... im Bad streichen.....

 

  • Trotz Corona ist es möglich, neue Hobbys zu finden: Wollten Sie sich nicht schon immer mal am Schreiben von Kurzgeschichten versuchen? Zeichnen war doch damals in der Schule Ihre Leidenschaft, warum fangen Sie jetzt nicht wieder damit an? Sie waren schon immer eine großartige Köchin / ein großartiger Koch, warum nicht mal wieder ein neues Rezept ausprobieren und die nette Nachbarin von unten links einladen? Wollten Sie nicht früher schon mal mit einem Fernstudium beginnen? Was hindert Sie daran - der innere Schweinehund? Vielleicht bleiben Sie gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin eher am Ball. Haben Sie nicht schon viel zu lange das Gefühl, ein IT-Greenhorn zu sein? Jetzt wäre Zeit dazu, sich das eine oder andere Tutorial anzuschauen. Ein schönes Fotoalbum vom letzten Urlaub vor Corona zu basteln bringt viele schöne Erinnerungen zurück. Wollten Sie nicht schon immer mal wissen wie die Börse funktioniert? Vielleicht versuchen Sie es jetzt mal mit einem Übungsdepot...Netflix, Prime, die Mediatheken und Co. bringen zwar nicht das ganze Kinoerlebnis rüber - man hat aber die freie Filmwahl ...

 

  • Um sich gedanklich nicht in den Strudel aus Pessimismus mit ziehen zu lassen, empfiehlt es sich, täglich ganz bewusste Corona-Auszeiten zu planen. Ein heißes Bad anstelle der 3. Berichterstattung im Fernsehen bringt oft ein positives Lebensgefühl zurück. Auch in Gesprächen ein zeitliches Corona-Limit zu setzen, kann dazu beitragen, die eigene positive Stimmung zu erhalten.

  • Und last but not least: auch wenn sich alles schlimm anfühlt, ist es gut, sich trotzdem seinen Humor zu bewahren. Lachen hat eine befreiende Wirkung und ist positiv für Körper und Psyche. Herzhaftes Lachen löst angestaute Emotionen und setzt Glückshormone frei.

  • Sollten Sie sich langfristig sehr einsam oder belastet fühlen, scheuen Sie sich nicht, in dieser ungewöhlichen Zeit professionelle Hilfe zu suchen. Erste Anlaufstellen hierfür können Ihr Hausarzt, psychosoziale Beratungsstellen oder Ambulanzen in Ihrer Nähe sein. In akuten Krisen wenden Sie sich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Nummer 112.

 

  • Falls Ihnen das traurige Erlebnis widerfahren ist, das Sie einen Menschen an Corona verloren haben: verdrängen Sie Ihre Gefühle nicht, sondern akzeptieren Sie den Schmerz, die Trauer und eventuelle Wut. Flüchten Sie nicht in Alkohol und Drogen, sondern sprechen Sie mit ihnen nahe stehenden Personen darüber. Wenn Sie das Gefühl haben, dass dies nicht ausreicht, holen Sie sich professionellen Rat oder Hilfe ein.

Anonym und kostenlos:

  • Silbernetz: Tel. 0800 4708090 (täglich von 08-22 Uhr, gegen Einsamkeit im Alter)

  • Info-Telefon Depression: 0800 3344533 (Mo, Di, Do von 13.00-17.00, Mi, Fr von 08.30-12.30 Uhr)

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